Fraunhofer WKI veranstaltet Workshop:
"Emissionsarme Bauprodukte und Wohngesundheit"

22. - 23. Februar 2017 in Braunschweig

Rund 100 Teilnehmer aus Industrie, Verbänden und Forschungsinstitutionen trafen am 22. und 23. Februar 2017 im Steigenberger Parkhotel zusammen, um sich mit Fragestellungen rund um die Themen Innenraumhygiene und Bauprodukte auseinanderzusetzen. 13 Referenten berichteten in drei Sektionen über die Normierung der Prüfung der sensorischen Bewertung von Bauprodukten sowie über zukünftige Entwicklungen und Trends zur Innenraumluftqualität. Der iVTH unterstützte die Veranstaltung.

Die Podiumsdiskussionen im Anschluss an die Vortragsblöcke boten Gelegenheiten zum direkten Austausch mit den Referenten. Zu den Vortragenden gehörten u. a. Vertreter des Umweltbundesamtes, der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung sowie des DIBt und mehreren Industrieverbänden.

Vor dem Hintergrund, dass sich Menschen der nördlichen Hemisphäre etwa 95 % der Zeit in Innenräumen aufhalten, informierte Prof. Tunga Salthammer, Leiter des Fachbereichs Materialanalytik und Innenluftchemie am Fraunhofer WKI in Braunschweig, über die historische Entwicklung der Innenraumluftforschung. Bereits im 19. Jahrhundert wurde der Kohlendioxidgehalt von Raumluft untersucht und auch heute steht CO₂ als Schadstoff hier an erster Stelle. Eine Gegenmaßnahme stellt das Lüften dar, sofern die Luftverschmutzung im Außenbereich dies zulässt. In den 1990iger Jahren etablierte sich die Forschung über flüchtige Verbindungen in Innenräumen, ihre Quellen, Reaktionen und gesundheitlichen Einflüsse. Unter den zahlreichen Substanzen, die aus Baumaterialien oder Möbeln entweichen können, gehört Formaldehyd zu den „Evergreenern“ der Innenluftschadstoffe. 1962 in der Literatur erstmals im Zusammenhang mit Spanplatten beschrieben, wird die Formaldehydemission aus Holzwerkstoffen durch immer schärfere Grenzwerte stark reguliert. Demgegenüber stehen jedoch die Formaldehydemissionen z. B. durch Holz- und Ethanol-Öfen, Straßenverkehr (Biosprit) oder Zigarettenrauch, die derzeit keiner Regulierung unterliegen.

In ihrer Präsentation über „Aktuelle Handlungsfelder zur standardisierten Charakterisierung der Innenraumluftqualität“ wies Dr. Elisabeth Hösen, VDI & Kommission Reinhaltung der Luft, darauf hin, dass in Zukunft auch die Einflüsse der Außenluftqualität auf die Raumluft berücksichtigt werden müssen.

Über die gesundheitsbezogene Bewertung von Bauproduktemissionen berichtete Dr. Michael Wensing vom Fraunhofer WKI. Nationale Konzepte, wie z. B. das AgBB-Schema (Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten) in Deutschland oder die Französische Verordnung zur Kennzeichnung von Bauprodukten, sollen zukünftig innerhalb der Europäischen Union durch sogenannte EU VOC Klassen ersetzt werden. Der dafür notwendige delegierte Rechtsakt ist in Vorbereitung. Für Formaldehyd sind z. B. die Klassen F1 (≤ 0,06 mg/m³), F2 (≤ 0,12 mg/m³) und F3 (> 0,12 mg/m³) vorgesehen.

Nicole Dommaschk, DIBt - Deutsches Institut für Bautechnik in Berlin, gab einen Überblick über die Ableitung und Harmonisierung von NIK/LCI-Werten und ihre Bedeutung im bauaufsichtlichen Verfahren. NIK-Werte sind die „niedrigste interessierende Konzentration“ eines Stoffes und dienen als Rechengrößen zur Beurteilung der Emissionen aus Bauprodukten; sie stellen jedoch keine Grenzwerte für die Innenraumluft dar. Die NIK-Wert-Liste umfasst derzeit 185 bewertbare Stoffe (AgBB 2015), die nicht zwangsläufig zu den gefährlichen Stoffen zählen. EU-weit wird die Harmonisierung der NIK-Werte bis 2019 angestrebt, eine Übereinstimmung wurde bisher für 110 Stoffe erreicht.

Blick in den Sitzungssaal
© Fraunhofer WKI, S. Peist

Dass auf Grundlage bisheriger Erkenntnisse von Holz keinerlei gesundheitliche Gefahren ausgehe, betonte Dr. Peter Sauerwein vom VHI, seit dem 1. März 2017 mit Sitz in Berlin. In seiner Präsentation zeigte er Aspekte zur Raumluftqualität aus Sicht der Holzwerkstoffindustrie.

Dr. Wolfgang Plehn, Leiter des Umweltbundesamts in Dessau, erläuterte die Ergebnisse einer Umfrage zu Gerüchen in Wohnungen und Büros. Unangenehm riechende Produkte werden von Menschen nicht akzeptiert. Im AgBB-Schema sind Geruchsmessungen vorgesehen, die für Prüflabore bisher sehr aufwendig und mit Unsicherheit behaftet sind. Die dieser Methode zugrundeliegende ISO 16000-28 soll jedoch bis Ende 2017 überarbeitet werden und für Prüfinstitute dann besser anwendbar sein. Für den Verbraucher empfiehlt das UBA den „Blauen Engel“, ein Label zur Orientierung in Richtung emissionsarmer Produkte. Mit dem Beitrag „Standardisierte Messung von Geruchsintensitäten bei der Prüfung von Bauprodukten“ ging Dr. Erik Uhde, Fraunhofer WKI, detailliert auf die Beurteilung von Gerüchen nach der Methode ISO 16000-28 ein. Ein Problem dabei ist, eine richtige Bewertung eines Produkts vornehmen zu können, ohne auf große Prüfkammern und die damit verbundenen hohen Kosten angewiesen zu sein. Die Geruchsbewertung ist ferner problematisch, wenn, wie in der Norm beschrieben, Probenbeutel verwendet werden.

Die Themen weiterer Vorträge reichten von den „Einflüssen der Bauprodukte auf die Innenraumluftqualität energieeffizienter Gebäude“ über die „Chancen der Smart Homes für ein gutes Raumklima“ bis zum „Umwelt-Qualitätszeichen „pure life“ für emissionsarme PU Dämmstoffe“.

Das gemeinsame Abendessen im Tagungshotel bot Gelegenheit für Diskussionen und weiteren Austausch zwischen den Teilnehmern.

Zuletzt geändert am: 2017-03-14 10:03:26 CET
Quelle: https://ivth.org/de/presse-voc2017/

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